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Verneigung vor den Tätern - Sieht so die "Erinnerungspartnerschaft" mit Roselies aus?

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2 Jahre 11 Monate her - 2 Jahre 11 Monate her #10057 von Rosenbaum
Anläßlich des vergangenen Volkstrauertages am letzten Sonntag, den 16.11., kam es im Roselies Quartier am Möncheweg zwischen
Offiziellen der Traditionsgemeinschaft
und VertreterInnen der BIBS
zu Diskussionen.

In einigen Punkten war man sich sogar einig:

- so wird z.B. die Hinterfragung der Namensgebung Roselies-Kaserne im Jahre 1938 - also 24 Jahre nach den Kriegsverbrechen in der belgischen Kleinstadt im 1. Weltgkrieg - gefordert und

- die erneute Verwendung des Namens "Roselies" nach dem 2.Weltkrieg für die Bundeswehr-Kaserne im Jahre 1958 sei ebenfalls zu hinterfragen.

Zu letzterer Frage wäre auch die Beteiligung der Stadt Braunschweig an der Namensgebung im Jahre 1958 aufzuklären. Denn im selben Jahr wurde ebenfalls der Gedenk-Obelisk aus Belgien, den dort das Braunschweigische Fürstenpaar Ernst-August und Victoria Luise Ende 1914 errichten ließ, nach Braunschweig geholt und auf dem Hauptfriedhof an der Helmstedter Str. 1958 erneut geweiht.

Das Geheimnis der Namensgebung "Roselies-Kaserne" durch die Nazis im Jahre 1938 konnte nun durch Recherchen des BS-Historikers Fritz Walz etwas gelüftet werden:

Er fand folgende Quelle dazu in den Archiven:

Fallschirmer beziehen die Roselies-Kaserne

Wir verraten unseren Lesern, ... daß die neue Kaserne am Möncheweg den Namen Roselies-Kaserne erhalten hat. Damit ist eine Ehrung des Braunschweiger-Infantrie-Regiments Nr. 92 verbunden, das sich während des Weltkrieges bei Roselies in Flandern besonders ausgezeichnet hat.

(Quelle: Braunschweiger Neueste Nachrichten/Braunschweiger Landeszeitung vom 1. November 1938, S.9)


Nun fragen sich einige in dieser Stadt im Jahre 2014 immer noch, was damals in der Nazi-Zeit und wenige Monate vor dem 2.Weltkrieg wohl als besondere Auszeichnung für die Truppe aus Braunschweig verstanden wurde.[/size]
Letzte Änderung: 2 Jahre 11 Monate her von Rosenbaum.

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2 Jahre 11 Monate her #10058 von klartext
Rosenbaum schrieb:

Nun fragen sich einige in dieser Stadt im Jahre 2014 immer noch, was damals in der Nazi-Zeit und wenige Monate vor dem 2.Weltkrieg wohl als besondere Auszeichnung für die Truppe aus Braunschweig verstanden wurde.


Akribische Details hat Herr Küssner auf der Veranstaltung am Dienstag im Biegelschen Regionalinstitut vorgetragen. Das mochten allerdings einige Verteidiger des Namens Roselies nicht so gern hören.
Von Massaker in Roselies durch deutsche Truppen zu sprechen sei falsch, das sei nicht belegt, betonte insbesondere der Heimatpfleger vom Lindenberg, Pastor Jünke. Nur drei Opfer unter der Zivilbevölkerung seien namentlich im Belschischen Roselies identifiziert.

Von Demut keine Spur. Eine denkwürdige Argumentation für einen Pastor.

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2 Jahre 10 Monate her - 2 Jahre 10 Monate her #10060 von Redaktion
Die Traditionsgemeinschaft meldet sich mit einem Bericht auf ihrer Homepage über die BIBS-Protestaktion anläßlich ihrer Ehrenbekundungen für militärische Traditionen und Symbolik am Volkstrauertag vom 16.11. zu Wort.

Dem Traditionsverband bleibe...

"der Sinn verschlossen, warum die Stadt unser alljährliches Totengedenken zu ihrem Anliegen Roselies macht. Ja, und auch das, was in den drei folgenden Bildern zu sehen ist, mussten wir ertragen...


...Selbst bei der Niederlegung der Kränze an den Gedenksteinen wichen die Protestler keinen Schritt zurück. Das alles war neu für die Trauergemeinde...



www.panzerbataillon24-traditionsgemeinschaft.de/Veranstaltungen/Vollkstrauertag%202014/GedVeranst%20VolksTrTg%202014.html

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Letzte Änderung: 2 Jahre 10 Monate her von Redaktion.

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2 Jahre 10 Monate her #10061 von bruno
Geht es den Hütern von Tradition und Ehre nur um das Gedenken an die eigenen Toten oder um mehr?
Der Traditionsverband hat ja noch mehr geschrieben

...wohltuend war es, dass der Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks 213 (Südstadt, Mascherode, Rautheim, Lindenberg, Elmaussicht), Herr Jürgen Meeske, sich nicht dem Diktat des Oberbürgermeisters Markurth gebeugt hat


Es geht also um Anerkennung und Präsenz im öffentlichen Raum, man möchte wahrgenommen werden, sich nicht verstecken müssen, wie Frau Fietzke-Hollbach bereits Ende 2010 für die CDU-Fraktion im Stadtbezirk an den Dezernenten Stegemann geschrieben hat.

Leugnung der Kriegsverbrechen

Durch die Diskussion über den Völkermord an den Hereros und die Kriegsverbrechen in Roslies sieht man den militärischen "Ehrenhain" gefährdet; deswegen wird vernebelt und geleugnet. Deswegen heißt es weiter auf der Homepage

Hier sei nochmals darauf hingewiesen, dass alle darauf aufgeführten Regimenter rein garnichts mit der Stadt Braunschweig zu tun haben. Schon lange nicht mit den Ereingnissen in der belgischen Ortschaft Roselies. Letzteres gilt auch für alle anderen an diesem Ort aufgestellten Gedenksteine.

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2 Jahre 10 Monate her - 2 Jahre 10 Monate her #10069 von Rosenbaum
Eines muss man der Traditionsgemeinschaft lassen - man dokumentiert dort das Eigenleben transparent.

So war die Identitätsfindung nach dem 2. Weltkrieg ambivalent. Im Jahre 1962 wurde die Roselies-Kaserne durch ein Panzerbatallion der Bundeswehr neu belegt, es wurde Heimat des Panzerbatallions 24.

Man suchte nach der Traditionslinie und sah sich zunächst in einer Reihe in der preussischen und Braunschweigischen Traditionspflege - vor allem der Totenkopf-Husaren

Der Totenkopf und schwarze Pullover sollten demnach die Traditionslinie zur Schwaren Schar des Schwarzen Herzogs symbolisieren.

Zu den Feierlichkeiten war auch immer die Fürstin Victoria-Luise, Ex-Chefin des Braunschweigischen Totenkopf-Regimentes eingeladen


Einweihung eines fragwürdigen Traditionssteins

Am 4./5. Mai 1974 erfolgte in der Roselies-Kaserne die Einweihung des (nun) umstrittenen Traditionssteins, welcher ganz offen und explizit die Traditionslinien von Reiterregiment, Schutztruppe Deutsch-Südwest, Braunschweigischen Husaren bis zu Weltkrieg II-Panzerregiment 6 und nun Panzerbatallion 24 manifestieren sollte


Der Totenkopf und der Schwarze Pullover verboten

Einiges dieser Symbolik - nämlich der Spuk mit dem Totenkopf der Husaren und mit den schwarzen Pullovern - wurde dann allerdings wenige Monate später unter dem Brigadegeneral Garken per Dienstbefehl am 25.Oktober 1974 verboten

Der sog. "Ehrenstein" aber wurde bewahrt und nun sogar mit anderen Steinen nach Abriß der Kasernen als "Ehrenhain" mitten in ein Neubaugebiet gepflanzt, welches dann auch noch den Namen "Roselies" trägt.[/size]

Alles soweit dokumentiert in der Chronik des Traditionsverbandes:
www.panzerbataillon24-traditionsgemeinschaft.de/Chronik/Index.html

Reanimierung des Schwarzen Herzogs?

Vierzig Jahre nach obigem Verbot von Totenkopf und Schwarz-Kleidung als Symbolik des Schwarzen Herzogs und seiner schwarzen Schar bereitet man im Braunschweigischen Landesmuseum eine Ausstellung zum Heldengedenken an den Schwarzen Herzog vor, der vor 200 Jahren gegen Napoleon verloren hat.
Zentralen Raum dabei soll die "Heldenhose" als Exponat einnehmen; sie soll gleich am Eingang in einer eigenen Vitrine ihren unübersehbaren Platz bekommen.

Wer braucht Reliquien des Heldentums?

Bereits vor 2 1/2 Jahren schwärmte die Leiterin des Museums von der "Heldenhose" des Schwarzen Herzogs www.braunschweig-online.com/bibs-forum/48-artikel-der-startseite/9013-braunschweiger-totenkopf-pardon-wird-nicht-gegeben.html#9052

Schließen sich hier die Kreise?
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2 Jahre 9 Monate her - 2 Jahre 9 Monate her #10072 von klartext
"Soldatische Leistungen" statt Massaker in Roselies ?

Im neuen Gemeindebrief Nr. 6 vom Dezember 2014 rechtfertigt sich Pastor Jünke als jemand, "der die Roselieshistorie so genau wie möglich erkunden" wollte und dafür "teilweise übelst verleumdet" wurde.

Trotzdem bewege ihn aber weiter die Frage, ob es stimme, dass braunschweiger Truppen 1914 "Roselies-Zivilisten in ihre Häuser getrieben und dort jämmerlich verbrannt haben? (Stichwort: Massaker"
Das hätte sogar die Braunschweiger Zeitung zweimal berichtet.

Das stimme nicht, so Jünke weiter. Alle 91 niedergebrannten Häuser niedergebrannt wurden entweder "zur Strafe verbrannt" und "diese Häuser waren leer".

Drei Opfer seien dokumentiert worden, aber "von einem Massaker zu sprechen, erlauben sie nicht".

Auch sei nicht einmal klar, wer am 23.8.1914 den Roselieser Pfarrer erschossen habe.

Immerhin nähert sich Herr Jünke peu a peu dem eigentlichen Grund für die Benennung der Kaserne nach dem belgischen Ort Roselies:
"Ihre Namensgebung sollte an das Gefecht von Roselies erinnern. Damals natürlich nicht, um Frieden anzumahnen, sondern um an soldatische Leistungen zu erinnern."

Der Name Roselies könne jedoch "folgendes leisten: Erinnerungsarbeit an das in Belgien besonders harte Vorgehen (an anderen Orten gab es Massaker) deutscher Truppenteile."

Naja, andere Truppen haben Massaker begangen, aber nicht die Braunschweiger.

Die Bezugnahme auf Roselies hier in Braunschweig sieht Herr Pastor Jünke dagegen in den "soldatischen Leistungen" der herzöglichen braunschweiger Regimenter von damals begründet.

Tolle Weihnachtsbotschaft, Herr Pfarrer !
Letzte Änderung: 2 Jahre 9 Monate her von klartext.

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